Politik

Am vergangenen Freitag und dem darauf folgenden Samstag, exakt 23 Jahre nach dem Pogrom von Rostock Lichtenhagen rottete sich im sächsischen Heidenau bei Dresden ein rassistischer Mob zusammen, um die Ankunft und Unterbringung von Flüchtlingen in der Kleinstadt zu verhindern. Die hysterischen Menge aus amtlichen Nazis und sogenannten „besorgten Bürgern“ – also Alltagsrassisten, die bislang nur noch nicht strafrechtlich in Erscheinung getreten sind – marodierte zwei Tage rund um das Heim, ohne dass die Polizei nennenswert dagegen vorging. Am Sonntag reiste dann eine Gruppe von 250 Antifas aus dem nahen Dresden nach Heidenau. – Hierzu veröffentlichen wir einen kurzen Bericht vom Sonntagabend, welcher uns zugesandt wurde.

Mit Wut und Entsetzen hatten wir die Berichte aus Heidenau aufgenommmen. Als Sonntags zu einer antirassistischen Demonstration aufgerufen wurde, stellte sich für uns die Frage nach einer Teilnahme nicht. Gemeinsam reisten mit der S-Bahn in die Kleinstadt vor den Toren Dresdens. Wir erlebten angriffslustige Nazis, eine prügelnde Polizei aber auch jede Menge Entschlossenheit auf antifaschistischer Seite.

Vom Bahnhof Heidenau aus machten wir uns auf den Weg Richtung Unterkunft. Wir waren knapp 250 Leute die überwiegend vermummt liefen. In einiger Entfernung sahen wir bereits eine große Anzahl von Nazis, die in unsere Richtung pöbelten. Es entwickelte sich ein kurzes Scharmützel bei dem jede Menge Wurfgeschosse in die Gruppe der Nazis regneten. Die Cops reagierten jedoch relativ zügig, setzten massiv Pfeffer ein und drängten uns schließlich zurück. Weiter ging es Richtung Unterkunft. Dort angekommen solidarisierten wir uns mittels Sprechchören mit den Refugees. In unserer unmittelbaren Umgebung hatten sich bald mehrere Großgruppen von Nazis versammelt. Wir standen unter Flutlicht und wurden beständig von den Bullen videographiert.

Die Situation vor Ort war ein bisschen unklar. Auf der einen Seite war nicht klar, ob die Faschos einen Angriff starten würden und anderseits machte zumindest ich mir Sorgen, ob die Cops wegen der Geschichte vom Hinweg nicht noch Leute rausziehen wollen würden. Wir hatten gezeigt, dass wir da waren und dass das Pack mit antifaschistischer Intervention Rechnung musste.

Also wurde eine Demo zurück zum Bahnhof angemeldet. Hinter einer Kurve stand ein große Gruppe Nazis bei einer Tankstelle. Zwischen und denen und uns standen zu dem Zeitpunkt keine Bullen. Einige von den Nazis schalteten zu spät und kamen nicht mehr weg. Etwa ein halbes Dutzend bekam ordentlich etwas ab. Daraufhin sind die Beamten richtig durchgedreht und haben wie von Sinnen auf einige eingeprügelt und wild durch die Gegend gepfeffert auch als die Situation schon längst geklärt war.

Am Bahnhof waren noch ein paar Halbstarke der Meinung, sich mit uns anzulegen, da gab es noch ein paar Backpfeifen. Auf unserer Seite gab es keine Festnahmen aber einige Verletzte von denen einige wirklich übel aussahen. Das dürften aber zu verschmerzen gewesen sein, zumindest waren alle gut gelaunt. Zumal als das Gerücht rumging, dass es sich bei zweien von der Tanke um örtliche NPD-Funktionäre gehandelt haben soll.

Für aktuelle Berichterstattung zu den kommenden Aktionen in und wegen -, sowie weiterer Berichte aus den vergangenen Tagen aus Heidenau verweisen wir auf die KollegInnen von den Alternativen Dresden News.